ETF-Rente

Fonds, die sich auszahlen

Der effizienteste und flexibelste Weg zur Generierung einer Rente führt meist über einen Fondsauszahlungsplan. Dabei sollte man auf jeden Fall Folgendes beachten:

  • Passende ETF auswählen (siehe Fachartikel)
  • Richtige Aufteilung im ETF-Portfolio für ein optimales Rendite-Risiko-Verhältnis wählen (siehe Fachartikel)
  • Entnahmerate in der korrekten Höhe setzen

Eine angemessene Entnahmerate muss individuell passen

Die grösste Schwierigkeit liegt für die meisten Anleger darin, die regelmäßigen Entnahmen aus dem Kapitalstock richtig zu wählen. Wird dem Portfolio jährlich zu viel Kapital entnommen, läuft es Gefahr seinen Zweck der lebenslangen Verrentung nicht zu erfüllen, da es vorzeitig entleert ist. Andererseits soll das Portfolio durch zu wenig Entnahmen auch nicht weiterwachsen, sondern am besten punktgenau zum Lebensende entleert sein. Da dies nicht genau zu schaffen ist, liegt auf der Hand: Weder die Lebenserwartung noch die zukünftigen Kapitalrenditen lassen sich mit Sicherheit vorhersagen. Beides bestimmt jedoch die optimale Entnahme. Werden Lebenserwartung und erzielte Renditen nicht für die Berechnung der zukünftigen Auszahlungen berücksichtigt, steigt die Gefahr, dass das Kapital vorzeitig entleert ist. Allerdings lässt sich durch eine dynamische Berechnung die Entnahmerate so aktualisieren, dass sie an die neue (höhere) Lebenserwartung und an die Kapitalmarktentwicklung angepasst ist.
Ein Beispiel: Sie investieren in ein ETF-Portfolio mit erwarteter Rendite von 6% p.a.. Ihre Entnahme basiert auf der Annahme, dass Sie langfristig 6% erzielen, und bis 85 leben werden. Nach einem Jahr haben Sie neue Informationen: Sie sind ein Jahr älter und Ihr Portfolio hat mit 10% rentiert. Das heißt für Ihre Entnahme konkret, dass Sie nun monatlich etwas mehr entnehmen können. Positiv wirkt nämlich, dass die Renditeannahme zu konservativ war. Leicht negativ wirkt, dass Sie nun älter geworden sind und damit auch ein paar Wochen an statistischer Lebenserwartung gewonnen haben. Das muss in der Restlaufzeit des Auszahlungsplans natürlich neu berücksichtigt werden.

Wichtig zu wissen ist auch, dass selbst in einer Rentenversicherung das Risiko besteht, dass das Lebensversicherungsunternehmen die garantierten Rentenfaktoren absenken muss. Für die Berücksichtigung von Aktien – oder genereller riskanteren Anlagen – in einem Portfolio zum Zweck des Entsparens sprechen zwei Gründe: Erstens ist der Anlagehorizont meist trotz höheren Altern lang genug, um diesen Anteil zu verkraften. Zweitens sind die beiden relevanten Risiken «Kapitalmarkt» und «Lebenserwartung» unabhängig voneinander, und gleichen sich im besten Fall gegenseitig aus. Das größte Risiko, das für ein vorzeitiges Entleeren des Kapitalstocks verantwortlich ist, nämlich ein langes Leben bei gleichzeitig schlechten Kapitalmarktentwicklungen, kann durch konservative Annahmen zur Anlagerendite und einer dynamischen Aktualisierung der Lebenserwartung entsprechend verringert werden. Weiter ist ein optimales Rendite-Risiko-Verhältnis im zu Grunde liegenden ETF-Portfolio unerlässlich. Wir zeigen in der folgenden Grafik anfängliche jährliche Entnahmeraten für Männer und Frauen zu verschiedenen Altern. Die Entnahmeraten basieren jeweils auf einem optimal diversifizierten ETF-Portfolio aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Geldmarkt, für ein defensives, moderates und offensives Portfolio. Es wird mit zusätzlicher Inflationsanpassung gerechnet, d.h. die Auszahlungen sollen im Schnitt um 2% p.a. steigen.

Lesebeispiel: Ein heute 65-jähriger Mann kann aus einem ETF-Portfolio von 100.000 Euro mit moderatem Risikoprofil jährlich 6.450 Euro (6.45%) entnehmen, damit sein Vermögen lebenslang ausreicht. Das entspricht zur Vergleichbarkeit mit Rentenversicherungen einem monatlichen Rentenfaktor von etwa 54.

Die Entnahmeraten liegen höher als die erwartete Rendite des Portfolios, da auch ein Vermögensverzehr angenommen wird. Vergleichbar funktioniert die Annuität in einem Annuitätendarlehen, die neben einem Zinsteil (hier: Rendite) auch aus einem Tilgungsteil (hier: Vermögensverzehr) besteht.
Für ein defensives Portfolio wird mit 1.5% Rendite p.a. gerechnet, für ein moderates Portfolio mit 3.8% p.a., und für ein offensives Portfolio mit 6.0% p.a..

Die laufende Bewirtschaftung eines ETF-Portfolios mit Entnahmen, Zuzahlungen, und Rebalancing

Nach dem Aufsetzen des ETF-Portfolios in einem Bankdepot sollte es danach auch regelmäßig bewirtschaftet werden. Falls keine Kapitalentnahmen oder -einlagen während der Entsparphase getätigt werden, reduziert sich die Bewirtschaftung auf ein effizientes Rebalancing der einzelnen ETFs im Portfolio. Durch verschiedene Kursentwicklungen der Anlageklassen im Zeitverlauf sollte dabei die optimale Aufteilung nach und nach wieder durch Käufe und Verkäufe in den einzelnen Positionen wiederhergestellt werden. Kapitalentnahmen und -einlagen können im besten Fall direkt ins Rebalancing mit eingebunden werden, so dass keine zusätzlichen Transaktionskosten dafür entstehen. Außerdem sollten die verwendeten ETFs ab und an überprüft werden, damit man bei Bedarf geeignetere ETFs auswählen und auswechseln kann.

Dynamische Entnahme schlägt statische Entnahme

Um ein vorzeitiges Entleeren des Auszahlplans zu verhindern, sollte die Entnahmestrategie wie bereits erwähnt regelmäßig überprüft werden. Die Entnahmerate wird dann passgenau auf die neue Situation angepasst bzw. aktualisiert. Grundsätzlich existieren drei Strategien, die ein Anleger je nach Risikoprofil wählen kann:

  • Strategie 1: Risikolose Anlage und konstante Entnahme
  • Strategie 2: Riskante Anlage und konstante Entnahme
  • Strategie 3: Riskante Anlage und dynamische Entnahme

Für Stratgie 1 spricht, dass der Anleger einen konstanten Betrag entnehmen kann, ohne dass die Gefahr des vorzeitigen Entleerens existiert.
Der Anleger verzichtet dabei allerdings auf Rendite während der Entnahmephase, weswegen für die meisten Anleger dieses Strategie nicht optimal ist.

Interessanter ist der Vergleich zwischen Strategie 2 und Strategie 3:


Während in beiden Strategien eine Rendite erwirtschaftet werden kann, und somit zu höheren Auszahlungen führt als Strategie 1, resultiert je nach Renditeverlauf (Renditen-Reihenfolge) in Strategie 2 entweder ein massives Endkapital (zur Vererbung), oder die Strategie endet mit einer vorzeitigen Entleerung. Das ist der Preis, den man bei Strategie 2 für die konstanten Auszahlungen bezahlt.

In Strategie 3 kann der Anleger sowohl das vorzeitige Entleeren verhindern, als auch von höheren Renditen profitieren. Der Preis dafür ist allerdings eine schwankende Auszahlungshöhe.

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Ein unabhängiger Berater kann Sie bei der Bewirtschaftung eines ETF-Portfolios unterstützen. Achten Sie dabei auf die Zulassung als gesetzlich zugelassener Honorar-Finanzanlagenberater (gem. 34h GewO). Dr. Schaarschmidt bietet im Rahmen der Beratung das Aufsetzen eines ETF-Portfolios mit Auszahlungsplan, die Bestimmung der individuellen Entnahmerate, und Unterstützung bei der laufenden Bewirtschaftung an.

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