Kapitalaufbau

Kapitalaufbau: Worauf sollte ich achten?

Beim Kapitalaufbau für die Altersvorsorge gibt es einige Dinge, die man berücksichtigen sollte. Viele „Berater“ empfehlen verschiedene Vorsorgeprodukte aus vielfältigen Gründen. Der steuerliche Vorteil ist meist einer der am häufigsten genannten, aber nicht tatsächlich entscheidenden Gründe. Bevor man sich über Kapitalaufbau Gedanken macht, sollte man die existenziellen Risiken des eigenen Lebens abgedeckt haben. Dazu sind in der Regel Versicherungen nötig, z.B. die Private Haftpflichtversicherung oder die in Deutschland obligatorische Krankenversicherung, bei Arbeitnehmern noch die Berufsunfähigkeitsversicherung und bei Paaren mit kleinen Kindern oder einer ausstehenden Hypothek noch die Risikoabsicherung im Todesfall. Erst wenn diese existenziellen Risiken abgedeckt sind, und eine Rücklage zur Verfügbarkeit in Notfällen aufgebaut worden ist, sollte über die eigene Altersvorsorge nachgedacht werden. Dabei können Sie sich über die folgenden Aspekte mit einem unabhängigen Experten Gedanken machen oder sich im Internet oder mit Büchern/Zeitschriften neutral informieren:

  • Wie stelle ich sicher, dass ich bei Renteneintritt ausreichend Kapital zur Verfügung habe?
  • Welche Rolle spielen dabei Steuern und Kosten?

Was macht ein gutes Portfolio aus?

Um die erste Frage zu beantworten, müssen wir zwei Prinzipien für die Altersvorsorge verstehen:

  1. Ohne Risiken keine Renditen.
  2. Lange Zeiträume verringern das Risiko.

Das erste Prinzip scheint für viele intuitiv klar zu sein. Der Zusammenhang zwischen Renditen und Risiko ist grundlegend. So sollte man sehr kritisch sein, wenn hohe Renditen mit geringen Risiken versprochen werden. Seriöse Berater weisen bei höheren Renditechancen auch auf die entsprechenden höheren Risiken transparent hin.

Lange Zeiträume helfen das Vorsorgeziel zu erreichen

Das zweite Prinzip ist gerade in der Altersvorsorge sehr wichtig. Lange Anlagehorizonte spielen neben renditereichen Anlagen die entscheidende Rolle für den Erfolg beim Kapitalaufbau. Zum einen wirkt der Zinseszinseffekt bei langen Perioden umso stärker, zum anderen verringert sich das Anlagerisiko bei einem langen Zeitraum beträchtlich. In der folgenden Grafik wird am Beispiel einer Aktieninvestition deutlich, dass die tatsächlich erzielte jährliche Rendite umso weniger geschwankt ist, desto länger der Anlagehorizont war.

Ein Beispiel: Bei einem Zeitraum von 15 Jahren wurde in der Vergangenheit stets Renditen über 0% p.a. verdient, d.h. es gab keinen 15-Jahres-Zeitraum mit Verlusten (seit 1925, Pictet-Aktienindex). Das ist natürlich keine Garantie für die Zukunft, verdeutlicht aber den bisher starken Zusammenhang zwischen Anlagehorizont und Risiko. Wenn Aktien nach einem Jahr wieder verkauft wurden, ähnelt das Resultat hingegen einem Roulette-Spiel: Hier ist alles zwischen +50% und -40% möglich gewesen. Langfristig liegen die durchschnittlich erwirtschafteten Renditen bei Aktienanlagen zwischen 7% und 8% p.a., unabhängig vom betrachteten Index und Land.

Regelmäßige Beiträge als weiterer Vorteil

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil der langfristigen Altersvorsorge: Regelmäßige Beiträge. Im Gegensatz zum oben gezeigten Einmalbeitrag dämpfen regelmäßige Beiträge weiter das Risiko. Der in der Literatur viel diskutierte „Cost Average Effekt“ besagt, dass durch regelmäßige Sparbeiträge zum Durchschnittspreis gekauft werden kann, und somit von Kursrückgängen profitiert werden kann.

In der Entnahmephase kann man sich diesen Effekt ebenfalls zunutze machen, indem man die regelmäßige Auszahlung aus dem Topf entnimmt, der sich am besten entwickelt hat. Somit implementiert man in den Auszahlungsplan ein „natürliches“ Rebalancing, und sorgt dafür, dass das sogenannte Rendite-Reihenfolge-Risiko etwas mitigiert wird: Dieses (auf Englisch auch „Sequence-of-Return-Risk genannte) Risiko besagt, dass bei einem Entnahmeplan schlechte Renditen gerade am Anfang der Entnahmephase besonders gefährlich sind, da weitere Entnahmen aus Fonds mit schlechter Performance sich dynamisch sehr schnell entleeren können und es dadurch zu einer Pleite kommen kann. Während in der Sparphase also schlechte Renditen am Anfang vorteilhaft sind, gilt während der Entsparphase das Gegenteil.

Nicht alle Eier in einen Korb legen

Wenn nun keine 15 Jahre mehr Zeit ist, bis das Altersvorsorgevermögen zur Verfügung stehen muss, heißt das nicht, dass auf Aktien verzichtet werden muss. Das gilt auch für die spätere Entnahmephase. Ein häufiger Fehler ist dir Reduktion des Aktienanteils im Alter auf Null, und das komplette umschichten auf ein Konto, wie z.B. für einen Bankauszahlplan üblich. Man sollte im Alter den Aktien-Anteil am ETF-Portfolio nur entsprechend der persönlichen Risikofähigkeit und Präferenz anpassen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es sowieso vorteilhafter über weitere Anlageklassen zu streuen, da die Diversifikation zusätzliche Optimierungen im Rendite-Risiko-Profil bewirkt. Sowohl die breitere Streuung über Ländergrenzen hinweg, als auch die Berücksichtigung weiterer Anlageklassen reduziert das Risiko, und führt dadurch zu einer höheren Sharpe Ratio.

„Aktien, der Anlagehorizont, regelmäßige Beiträge und Diversifikation sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Altersvorsorge“

Versteckte Kosten fressen Rendite

Nachdem die erste Frage beantwortet ist, stellt sich die Frage inwiefern Kosten und Steuern den Erfolg der Altersvorsorge gefährden können. Kosten sind im Beratungsgespräch eher lästig, spielen aber für den langfristigen Erfolg eine große Rolle. Es ist weithin bekannt, dass z.B. Lebensversicherungen hohe Kostenbelastungen durch Verwaltung und Abschluss haben, daher möchten wir vielmehr auf die Kosten und Steuern bei alternativen Altersvorsorgeprodukten eingehen, der weniger bekannt ist.

Die Anlage mit Investmentfonds oder ETFs ohne Versicherungsmantel scheint auf den ersten Blick steuerlich nicht interessant. Beiträge können steuerlich nicht abgesetzt werden, und Erträge müssen mit der Abgeltungssteuer (26.375% inkl. Solidaritätszuschlag) versteuert werden. Dabei ist die Effektivrendite nach Steuern und Kosten meist viel höher als bei Versicherungsprodukten mit Steuervorteil, und das liegt neben der Teilfreistellung bei Aktienfonds und dem Steuerstundungseffekt bei thesaurierenden Fonds v.a. an den tieferen Kosten.

Macht ein solches Fonds-Portfolio in Ihrem Depot vor Kosten und Steuern eine Bruttorendite von 6.2% p.a., so führen weitere Abzüge zu einer tieferen Effektivrendite (nach Kosten und Steuern). Zunächst führen Kosten der Fonds von durchschnittlich 0.2% p.a. zu eben dieser Renditeminderung, so dass eine Rendite von ca. 6.0% p.a. nach Kosten zu erzielen ist. Mehr als 0.5% p.a. sollten Anleger für die Verwaltung von Investmentfonds (TER, Total Expense Ratio) nicht bezahlen. Bei ausschüttenden Investmentfonds werden Erträge (Zinsen, Dividenden) bei Ausschüttung mit der Abgeltungssteuer belegt, nachdem allenfalls eine Teilfreistellung berücksichtigt wurde. Besser schneiden durch den Steuerstundungseffekt thesaurierende Fonds ab. Die Steuerstundung bewirkt, dass Ausschüttungen wiederangelegt werden, und erst bei Verkauf besteuert werden. Zwar muss eine Vorabpauschale bei positiver Wertentwicklung auf einen fiktiven Basisertrag versteuert werden, dieser ist aber in der Regel wesentlich tiefer als die tatsächlichen thesaurierten Erträge der Fonds. Im Beispiel beträgt bei thesaurierenden Fonds die Effektivrendite nach Kosten und Steuern 5.2% p.a.

„Ein effizientes Portfolio über verschiedene Anlageklassen mit kostengünstigen thesaurierenden ETFs erzielt brutto etwa 6% p.a. und netto etwa 5% p.a.“

Was Sie beim ETF auswählen noch beachten müssen, und wie Sie ein effizientes ETF-Portfolio erstellen, zeigen wir Ihnen in unseren Fachartikeln zu ETF.

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